Die ehrenamtlichen Feuerwehrleute müssen belohnt werden, fordert der Stierstädter Wehrführer Steffen Müller. Auf der Mitgliederversammlung wurde er einstimmig wiedergewählt.
Die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Stierstadt stehen geschlossen hinter ihrem Wehrführer Steffen Müller. Einstimmig wählten die 31 Anwesenden den 43-Jährigen bei geheimer Wahl erneut zum Kopf der Einsatzabteilung. «Mit diesem tollen Ergebnis habe ich nicht gerechnet», sagte Müller. Seit 2002 steht Müller an der Spitze der Wehr.
Das Problem, tagsüber über genügend Einsatzkräfte zu verfügen, werde in Oberursel so gelöst, dass pro Einsatz bis zu vier Wehren alarmiert würden, sprach Müller ein wichtiges Thema an. Zudem greife die Stierstädter Wehr auf bis zu fünf Gastfeuerwehrleute zurück, die nicht in Stierstadt lebten, aber dort arbeiten. «Nachteilig ist die immer größer werdende Belastung», konstatierte Müller. Denn die Einsatzzahlen würden vor allem tagsüber immer mehr steigen. Zudem erlaubten viele Arbeitgeber ihren Mitarbeitern nicht mehr, mehrmals in der Woche an einem Einsatz teilzunehmen. «Die Belastung der Wehr ist an den Grenzen angelangt, wir fahren auf allerletzter Rille», so Müller. «Ich könnte aus der Haut fahren, wenn ich von Politikern höre, die Mitgliedszahlen seien gestiegen. Das täuscht eine Verbesserung vor, die es nicht gibt», kritisierte er.
Junge Leute binden
Maximal ein Drittel der in die Einsatzabteilung übergetretenen jungen Leute bleibe auch nach ein paar Jahren noch bei der Stange. «Es ist dringend an der Zeit, die vorhandenen Kräfte zu binden», forderte er die Politiker auf. «Die Politik und Verwaltung sollen die Möglichkeit geben, die Einsatzkräfte für ihre ehrenamtliche Arbeit zu belohnen. Ich rede nicht von einer Bezahlung, aber von einer Wertschätzung. Es muss ein Zeichen gesetzt werden», so der 43-Jährige. Als Beispiele nannte er freien Eintritt ins Schwimmbad, eine Garantie für einen Kindertagesplatz und eine Feuerwehrrente. «Wer 30 bis 40 Jahre ehrenamtliche arbeitet, freut sich über eine Entschädigung. Und er hat sie auch verdient», erklärte Müller. Seit vier Jahren appelliere er an die Politiker. Geschehen sei nichts.
«Die Forderung nach einer Würdigung sind berechtigt», sagte Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) in seinem Grußwort. «Aber wir können es nicht aus dem Stand heraus. In zwei bis drei Jahren werden wir zu einer Lösung kommen», versprach der Rathauschef. Er lobte die Eintracht, die in der Stierstädter Feuerwehr herrsche. «Die Harmonie lässt einen positiv in die Zukunft sehen, denn die Schlagkraft zeichnet sich darin aus, dass alle an einem Strang ziehen», sagte Brum.
151 Einsätze
Der Einsatzabteilung gehören derzeit 39 Männer und vier Frauen an. Im vergangenen Jahr rückten die Brandbekämpfer zu 151 Einsätzen aus, darunter 97 Hilfeleistungsdienste, 25 Brandfälle und 7 Brandsicherheitsdienste. Noch 2009 waren es «nur» 132 Einsätze gewesen. «Wir haben immer häufiger mit Unwettern zu kämpfen», berichtete Müller. Die Zahl solcher Einsätze sei in den vergangenen Jahren von 10 auf 50 gestiegen. Eine erhebliche Stundenanzahl investierten einige Einsatzkräfte in Lehrgänge. In der Verwaltungsarbeit, die bisher pro Jahr rund 600 Stunden ausmachte, werden die Wehrführer in Zukunft vom Rathaus unterstützt. Dort wurde die Stelle eines Sachbearbeiters für Brandschutz eingerichtet.
In Sachen Nachwuchsförderung habe die Wehr ihre Hausaufgaben gemacht, so Müller. Mit Werbung seien gute Ergebnisse erzielt worden. Der Mini-Abteilung, im vergangenen Jahr gegründet, gehören derzeit 12 Kinder an. Die Musikabteilung der Minis, die seit vier Monaten existiert, habe so starken Zuspruch, dass sie in zwei Altersgruppen, vier bis sechs Jahre und sechs bis zehn Jahre, geteilt wurde, sagte Müller. Der Jugendfeuerwehr gehören 18 Jugendliche, darunter drei Mädchen, an. Die Zahl der Mitglieder des Fördervereins stieg auf 352.
Weitere Wahlergebnisse waren: Zur Beisitzerin wurde Daniela Frey wieder gewählt. Beisitzer im Förderverein sind weiterhin Björn Eisinger und Dirk Fechner.
(Quelle: TZ/sob, http://www.fnp.de/tz/region/lokales/mueller-belastung-der-wehr-ist-an-den-grenzen-angelangt_rmn01.c.8751627.de.html abgerufen am 14.03.2011)