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Dramatischer Einsatz – Kind eingeklemmt

Dramatischer Einsatz mit eingeklemmtem Kind bei der Feuerwehr Stierstadt:

Am frühen Samstagnachmittag des 04.07.2009 wurde um 14:36 Uhr die Feuerwehr Oberursel-Stierstadt zu einem Einsatz alarmiert, der bei allen Beteiligten große Betroffenheit auslöste.

Beim Spiel an einem elektrisch betriebenem Stahlgittertor von zwei Jungen im Alter von 3 ½ und 6 Jahren setzte sich das Tor in Bewegung, wobei der jüngere der beiden mit dem Kopf zwischen das fahrende Tor und einen Stützpfosten gezogen und dort, in ca. 1,20 Meter Höhe, eingeklemmt wurde.

Die Stadtteilfeuerwehren aus Oberursel-Stierstadt, Oberursel-Weißkirchen und Oberursel-Mitte wurden gemäß dem Einsatzstichwort PKlemm (eingeklemmte Person) mit dem Hinweis „Kind mit Kopf in Tor eingeklemmt“ alarmiert. Für den Rettungsdienst wurden der Rettungswagen aus Oberursel, das Notarzteinsatzfahrzeug aus Bad Homburg und der diensthabende Organisatorische Leiter Rettungsdienst des Landkreises alarmiert.

Die Einsatzstelle befand sich ca. 250 Meter vom Feuerwehrhaus entfernt. Da bei den Oberurseler Feuerwehren Samstagnachmittags der Gerätedienst stattfindet, rückte das erste Fahrzeug bereits um 14:38 Uhr aus. Die weiteren Einsatzfahrzeuge konnten innerhalb weniger Minuten folgen. Insgesamt rückten von der Feuerwehr folgende Fahrzeuge aus:
Feuerwehr Oberursel-Stierstadt:
ELW 1
HLF 20/16

Feuerwehr Oberursel-Weißkirchen:
LF 16/12
GW-Z

Feuerwehr Oberursel-Mitte:
RW 2

Bereits um 14:38 Uhr traf der ELW der Feuerwehr Oberursel-Stierstadt an der Einsatzstelle ein. Dem Einsatzleiter bot sich folgendes Bild:

Bereits auf der Anfahrt wurde das Fahrzeug durch ca. 25 Anwohner wild gestikulierend in Richtung Einsatzstelle gelotst. An der Einsatzstelle befand sich eine Menschentraube, die ein schreiendes Kind in ca. 1,20 m waagrecht in der Luft hielt. Der Kopf des Kindes war wie bereits beschrieben in dem Schiebetor eingeklemmt. Nachbarn waren damit beschäftigt eine Verlängerungsleitung abzuwickeln und hielten bereits einen elektrischen Trennschleifer zur Befreiung des Kindes bereit.

Das Inbetriebsetzen des Trennschleifers wurde unterbunden. Mit diesem hätte aufgrund der Lage kein Erfolg erzielt werden können, sondern man hätte das Kind weiter beeinträchtigt und gefährdet. Das Kind war zu diesem Zeitpunkt noch wach und ansprechbar.

Sofort wurde zur Entlastung des Kopfes weiterer Zug auf die Torelemente ausgeübt.

Die Besatzung des um 14:41 Uhr eintreffenden HLF 20/16 bekam den Auftrag zur Vornahme des hydraulischen Rettungsgerätes und Bereitstellung der medizinischen Ausstattung des HLF.

Ca. 1 Minute nach eintreffen des HLF konnte der Kopf des Kindes mit dem hydraulischen Spreizer befreit werden.

Zu diesem Zeitpunkt war das Kind bewusstlos.

Nach der Befreiung des Kindes wurde dieses durch zwei Rettungsassistenten der Feuerwehr und des, in der Nähe wohnenden und herbeigeeilten, Kreisbereitschaftsleiters des DRK bis zum Eintreffen des Rettungswagens versorgt.

Der alarmierte Notarzt ergänzte nach seinem Eintreffen die Versorgung vor Ort.

Der angeforderte Rettungshubschrauber Christoph 2 aus Frankfurt (ca. 15 km Entfernung) befand sich zu diesem Zeitpunkt im Einsatz. Alle weiteren Versuche der Leitfunkstelle Frankfurt einen Rettungshubschrauber zu entsenden scheiterten, da zu diesem Zeitpunkt alle sonst verfügbaren Rettungshubschrauber im Einsatz waren. Der nächste verfügbare Rettungshubschrauber (Christoph 53) aus Mannheim konnte wegen einer Gewitterfront nicht starten.

Das Kind wurde nach der Erstversorgung mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht und dort klinisch versorgt. Die Mutter des Kindes begleitete den Transport.

Neben der Rettung des Kindes wurden der kleine Bruder und der Vater des Verletzten durch die Kameraden der Feuerwehr betreut.

Da die Eindrücke bei allen Beteiligten blankes Entsetzen und große Anteilnahme hervorgerufen haben, wurden die Eindrücke gemeinsam aufgearbeitet.

In einem langen Gespräch haben alle Beteiligten ihre Eindrücke geschildert und konnten somit ihrem „Herz freien Lauf lassen“ und das Gesehene aufarbeiten. Eine solche Gesprächsrunde war für alle notwendig, da das Gesehene, insbesondere für die jüngeren Kameradinnen und Kameraden eine gänzlich neue Erfahrung darstellte. In das Gespräch konnten auch erste Rückmeldungen der Rettungswagenbesatzung aus dem Krankenhaus einfließen.

In dem Gespräch wurden die Inhalte der theoretischen Ausbildung über psychische und physische Belastungen im Feuerwehrdienst gut umgesetzt.

Abschließend kann gesagt werden, dass der eigentliche technische Einsatz „nur“ ca. 10 Minuten gedauert hat, aber die Nachbereitung ein Vielfaches an Zeit eingefordert hat.

Die Feuerwehr Oberursel-Stierstadt wünscht dem kleinen Philip gute Besserung und hofft, dass er wieder vollkommen genesen wird.

Zusatz: Nach nur 3 Wochen konnte uns Philip schon wieder im Feuerwehrhaus besuchen. Er und seine Eltern haben sich bei den Feuerwehrleuten bedankt und einen Nachmittag an der Wache verbracht.

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